Skizze vom 7. Salon am 3. Juli 2015 im Übergangswohnheim Marienfelder Allee des Internationalen Bundes Berlin-Brandenburg GmbH (Zeichnung: Wiebke Trunk)

Mitveranstalterin Salon für kritische Kunstvermittlung
Berlin 2012 – 2015


Der Salon für kritische Kunstvermittlung widmete sich 2012-15 in sieben Veranstaltungen der Auslotung von gesellschafts- und institutionskritischen Positionen in der Kunstvermittlung. Diese Veranstaltungsreihe wurde unabhängig von institutionellen Anbindungen und Finanzen der beteiligten Macher*innen (in verschiedenen Zusammensetzungen Judith Boegner, Barbara Campaner, Anna Chrusciel, Nanna Lüth, Iver Ohm, Sandra Ortmann, Wiebke Trunk und Maren Ziese) realisiert. Dadurch eröffneten die Vermittler*innen einen selbstorganisierten diskursiven Freiraum an wechselnden Orten.


Momentaufnahme während des Vortrags von Ellen Kobe

vorausgesetzt. Kunst/Pädagogik und ihre Bedingungen.
Ringvorlesung, UdK Berlin, SoSe 2015


Die Reihe präsentierte im Sommersemester 2015 sechs Positionen, die an der Schnittstelle von künstlerischer und pädagogischer Praxis arbeiten. Bei allen Veranstaltungen ging es um die Frage, unter welchen gesellschaftlichen oder politischen Voraussetzungen die beschriebenen Perspektiven von Lehrer_innen, Forscher_innen und Künstler_innen möglich werden, aber auch, welche sie selbst hervorbringen.



Besucher_innen der Auszeichnerei

Die Auszeichnerei.  Ausstellung und Aktion im Ruinengarten anlässlich des UdK-Rundgangs, Berlin 2015

Das im Sommer 2015 stattfindende Seminar »Zugänge zum Rundgang« nahm die Jahresausstellung der Universität der Künste Berlin als Vermittlungsanlass in den Blick. Ziel war es, individuell oder gemeinsam Vermittlungskonzepte zu entwickeln, um während des »Rundgangs« persönlich oder mittels Medien die Beschäftigung mit der ausgestellten Kunst zu vertiefen.
Als sich das Seminar jedoch drei Wochen vor der Ausstellung wieder traf, hatte sich der Wind gedreht: Die Studierenden der Bildenden Kunst hatten sich für die schwierigen Arbeitsbedingungen der Vertretungsprofessor_innen stark gemacht. Diese wurden bis dato nur im Semester bezahlt, sodass über den Sommer von ihnen keine Betreuung zu erwarten war. Durch die hinzukommende Unzufriedenheit mit der Langsamkeit der Berufungen war der Plan entstanden, die Sommerausstellung zu bestreiken.

Während die Entscheidungsprozesse in den verschiedenen künstlerischen Klassen noch im Gange waren, entstand im "Zugänge"-Seminar die Vision einer öffentlichen Aktion: Besucher_innen des Rundgangs sollten aufgefordert werden, sich ideale Professor_innen für bestimmte künstlerische Bereiche auszudenken und zu zeichnen. Die Aktion sollte auch genutzt werden, um externen Gästen einen Einblick in das Funktionieren der Fakultät zu bieten. Die Zeichnungen wurden im Garten ausgestellt; am Ende wurden einige davon mithilfe eines Glücksrads prämiert.



Teilnehmer_innen der ersten Arbeitstagung vor der Cluster-Wand

Queering Art Education. Kunst/Pädagogik zur Verschiebung dominanter Zugehörigkeitsordnungen. Arbeitstagungen mit internationalen Gästen in Kooperation mit Institute for Art Education der Zürcher Hochschule der Künste, UdK Berlin 2014 & 2015.

Queering Art Education orientiert sich an künstlerischen und pädagogischen Positionen, die den Anspruch teilen, rassismus- und sexismuskritisch und zugleich anti-essentialistisch strukturiert zu sein. Es geht also um den edukativen Einsatz von Kunst, die sich programmatisch mit der Verschiebung dominanter Zugehörigkeitsordnungen (Paul Mecheril 2011) beschäftigt. Queering Art Education bezieht sich dabei sowohl auf die formale Bildung in Schule und Hochschule als auch auf nonformale Kontexte der Bildung oder Weiterbildung. Seine Ansätze können z.B. als Teil des schulischen Kunstunterrichts, der Fortbildung von Pädagog_innen und Künstler_innen, der künstlerischen Bildung an Hochschulen und der kulturellen Bildung konzipiert werden und nehmen entsprechend unterschiedliche Sprachregister und Ästhetiken an.

Ende 2014 trafen sich Gäste aus Berlin, Ecuador, Mexico, Kanada, der Schweiz, Österreich und England zur gleichnamigen Arbeitstagung an der UdK Berlin. Das zweitägige Arbeitstreffen diente der gegenseitigen Vorstellung und Diskussion der eigenen Praxis und dazu, Visionen queerer künstlerischer Pädagogik oder Kunst und ihrer Vermittlung zu formulieren.
Ein Jahr später trafen sich die Teilnehmer*innen erneut. Bei diesem Treffen wurden zunehmend institutionelle und strukturelle Handlungsfelder besprochen. Durch eine grundlegende Diskussion über Hierarchien und Schwierigkeiten der unzureichenden Finanzierung, die Rolle der weißen Initiatorinnen und die Hegemonie der englischen Sprache in Bezug auf diese Arbeitstagung entstand eine kontroverse, differenzsensible Auseinandersetzung, die in einer Verschiebung der Rollenverteilungen mündete.

 



Vitrine mit Material und Objekten aus verschiedenen Workshops

Die Kunst der Vermittlung, Ausstellung der medienkunstpädagogischen Arbeit 2008/09 des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst, Oldenburg 2010.

Die Ausstellung „Die Kunst der Vermittlung“ (18.- 24. Januar 2010) fasste zum zehnjährigen Jubiläum des Edith-Ruß-Hauses für Medienkunst zwei Jahre Kunstvermittlung zusammen. Den Kern der Ausstellung bildete eine große Bilderwand aus Dokumentationsfotografien, die lose eine Chronologie der Ereignisse zu sehen gab. Zwei Podeste, eine Vitrine und ein freihängendes Objekt waren entlang der Bilderwand in einer Linie aufgestellt, die bewusst auf eine museale Anordnungen anspielte. Auf vier Monitoren liefen Videoproduktionen aus Projekten mit unterschiedlichen Altersgruppen.

Die Vermittlung der Ausstellung selbst geschah mithilfe von Post-its, mit denen Besucher_innen zur Kommentierung der Exponate eingeladen wurden. Außerdem fand ein Abend mit Gästen statt, die ihre in Workshops entstandenen Kurzfilme präsentierten.



Ausstellungsansicht "Introducing Fascism and Nazism", ein Beteiligungsprojekt mit Sanja Ivekovic (Zagreb) und Bojana Pejic (Belgrad/Berlin), Nanna Lüth, Christine Lohr und Schüler_innen des Kantgymnasiums (alle Berlin)

Ko-Kuratorin der Ausstellung pöpp68 - privat, öffentlich, persönlich, politisch, Neue Gesellschaft für Bildende Kunst (NGBK), Berlin 2008.

pöpp68 – privat, öffentlich, persönlich, politisch thematisierte und erprobte in sechs kollaborativen Projekten, einer Tagung und einer Ausstellung Arbeitsformen künstlerischer Beteiligung. 2008 brachte pöpp68 Künstler_innen, die in den 1960er Jahren geboren wurden, (Seraphina Lenz, Nanna Lüth, Ulrike Solbrig, Rebekka Uhlig, Giuliano Vece, Jole Wilcke) zusammen mit Künstler_innen und Theoretiker_innen, die damals bereits aktiv waren (Claudia von Alemann, Kirsten Dufour, Rainer W. Ernst, Sanja Ivekovic & Bojana Pejic, Barbara Kleinitz, Christophe Kotányi) und ermöglichte ihnen einige der komplexen Themengebiete wieder aufzusuchen, die politische und soziale Diskurse von '68 bestimmten, wie Faschismus, Körper- und Machtfragen, Geschlechterpolitiken, Anti-Autorität und Konsumkritik und zur Partizipation einzuladen in Beteiligungsprojekten, Forschungen und Interventionen. So untersuchte pöpp68 generationsübergreifend Partizipationschancen und Widerstandsformen von 1968 bis heute.


Blick in die Ausstellung
Kuratorin von Irgendwann ist Schluss mit lustig! Interventionen in Werbung zusammen mit Wiebke Trunk, arttransponder e.V. Berlin 2007.

Ausgangspunkt der Gruppenausstellung war die Werbekampagne für die Zeitschrift Hörzu. Im Zeitraum von 2005 bis 2006 Paare wurden hier Paare wie Mops und Katze, zwei junge Frauen, die sich küssen, und ein weißer Mann im Anzug, auf dessen Schoß eine Schwarze, exotisierte Frau sitzt, unter dem Motto „Irgendwann nimmt man nicht mehr irgendwas" als Bild für "ganz besondere" Paare mit hohen Qualitätsansprüchen präsentiert. Die letzte Bild-Text-Kombination löste 2006 eine öffentliche Debatte aus. Sie wurde von feministischen, antirassistischen und medienkritischen Initiativen als diskriminierend und menschenverachtend kritisiert.

Das Projekt Irgendwann ist Schluss mit lustig! Interventionen in Werbung im Kunstverein arttransponder bearbeitete an diesem Beispiel sexistische, rassistische und andere herabsetzende Ansätze in aktuellen Werbebildern.


Ausstellungsgestaltung mit Zitaten von Virginia Woolf (1929)
Ko-Kuratorin der Berliner Ausgabe von A Room of One ´s Own. Being located where you are not supposed to be, Brüssel 2006/Berlin 2007.

“A room of one´s own basierte auf einer Kooperation zwischen Künstlerinnen aus Brüssel und Berlin, die in verschiedenen Medien (Malerei, Video, Film, Audio, Installation) arbeiten und sich mit dem titelgebenden Text von Virginia Woolf von 1929 auseinandersetzten. In diesem Text thematisiert Woolf die notwendigen kulturellen und sozialen Bedingungen für die literarische Produktion von Frauen: das “Zimmer für sich allein”, finanzielle Unabhängigkeit und das Selbstbewußtsein, genau das zu schreiben, was sie denken. Sie entwirft ein androgynes Ideal mit der Vorstellung, dass hierdurch die Polarität der Geschlechter zu überwinden und ein Höchstmaß an künstlerischer Kreativität freizusetzen sei.

Die erste Ausstellung von A room of one´s own fand im März 2006 im Kulturzentrum De Markten in Brüssel statt. Im März 2007 wurde die zweite Ausgabe mit der programmatischen Forderung Mehr als ein Zimmer für sich allein im Kunstraum Kreuzberg in Berlin gezeigt. Im Verlauf der Ausstellung fand neben Konzerten (z.B. von dem Musikensemble für zeitgenössischen Musik Q-O2) in Kooperation mit dem Kino Arsenal, dem Ballhaus Naunynstraße und dem Gendernet der Universität der Künste Berlin ein Film- und Veranstaltungsprogramm statt.


Ausstellungsansicht mit der Arbeit von Roz Mortimer: Gender Trouble (2002)
Ko-Kuratorin der Ausstellung 1-0-1 intersex - Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung, NGBK Berlin 2005.

1-0-1 [one ‘o one] intersex thematisierte die Verletzung der Menschenrechte von Zwittern/ Hermaphroditen/ intersexuellen Menschen: Immer noch werden Kleinkinder, deren Genitalien als “uneindeutig” bezeichnet werden, chirurgisch an Normvorstellungen von männlichen und weiblichen Körpern angepasst. Intersexualitätsdiagnosen werden selbst im Erwachsenenalter regelmäßig verschwiegen. Die gesellschaftliche Akzeptanz geschlechtlicherVielfalt, die nicht den normativen Erwartungen einer eindeutigen Unterscheidbarkeit nach zwei Geschlechtern entspricht, ist gering.

1-0-1 intersex fordert zum Weiterdenken quer zum Zwei-Geschlechter-System auf: Ausstellung, Archiv, Veranstaltungsreihe und ein umfangreicher Katalog präsentieren künstlerische Positionen, Erfahrungen und Initiativen intersexueller Menschen, historische, wissenschaftskritische und rechtliche Hintergründe, um eine breite Auseinandersetzung über die Geschlechtergrenzen und den Umgang mit Intersexualität in westlichen Gesellschaften anzustoßen.