Spaziergang zur Mitte des Ernst-Reuter-Platzes, Juni 2021

Kolloquium.
Street Photography im zweiten Corona-Sommer, 2021

Durch die Vorgaben des Landes Berlin zum Schutz gegen COVID-19 fand die kunstdidaktische Lehre drei Semester lang weitgehend in Videokonferenzen statt. In einer Phase sinkender Infektionszahlen wurde im Kolloquium „Freundliche Kritik“ von den Student*innen das Bedürfnis nach einem Treffen in Präsenz nachdrücklich artikuliert. Da sie zudem über Kunstvermittlung und den Stadtraum schreiben wollten, verabredeten wir uns zu diskursiven und performativen Spaziergängen. Später setzte ich die Spaziergänge mit der Kamera alleine fort.


Fotografie-Aktion an der Ruhr-Universität Bochum am 1./2. Oktober 2010

Spiel*feld.
Präsentation im Rahmen der Tagung "Fußball & Geschlecht", Bochum 2019
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Die Präsentation Spiel*feld wurde für die interdisziplinäre Tagung "Fußball & Geschlecht" an der Ruhr-Universität Bochum entwickelt. An der Tagung kamen vor allem Fußball- und Fanforscher*innen teil, sowie in Fanprojekten aktive Personen. Diese Besucher*innen konnten während der Pausen die auf Tischen ausgestellte Fotoserie betrachten.

An einer zusätzlichen Station konnte Jede*r sich ein Poster auswählen und mitnehmen. Dieses Angebot war mit der Bitte verbunden,
mir nach der Tagung einen kurzen Text über Assoziationen zu dem gewählten Motiv oder ein Dokufoto zu schicken von dem Ort, wo das Plakat aufgehängt wurde. Diese Aufforderung erleichterte den Austausch über die Arbeiten.



Kreuzberg, vor der Bäckerei, 27.10.2015, 7.40 h

weggeworfen, aufgehoben.
Sammlung von Papierobjekten, seit 2013
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Seit einigen Jahren sammle ich Zettel mit handschriftlichen Notizen oder Zeichnungen, die in Einkaufskörben, auf der Straße oder anderswo auf dem Boden liegen. Es handelt sich dabei beispielweise um Einkaufszettel, Listen von touristischen Orten, Wegbeschreibungen, Kinderzeichungen oder Gedichte. Je nach Inhalt lässt sich darüber spekulieren, ob das Papier verloren, weggeworfen oder bewusst vergessen wurde. Neben dem zufälligen Einblick in menschliche Wege und Tätigkeiten sagen manche Nachrichten auch etwas über die Gefühle und Beziehungen der Person aus, die das Papier beschriftet oder bezeichnet hat.

Ein Reiz dieser Sammlung liegt in ihrer materiellen Wertlosigkeit, was sich daran zeigt, dass jemand die Papierobjekte in einem bestimmten Moment los ließ. Und dass es dann wahrscheinlich eine Weile gedauert hat, bis jemand anderes diese Spur aufnimmt, den inzwischen staubigen oder schmutzigen Zettel also aufhebt. Abgesehen von der Katalogisierung und Reproduktion der Originalzettel werden einige Orte wieder aufgesucht: Dort werden Passant_innen um einen Kommentar zur dort aufgefundenen Nachricht gebeten, die Eingang in das Objekt-Archiv finden.



Regen, Berlin

zur Stelle.
Fotografien von Landschaft, seit 2006

„zur Stelle“ behandelt das Problem, heute Natur oder Landschaft zu fotografieren. In der Geschichte der Landschaftsdarstellung wurden Bilder von organischer Umwelt häufig verwendet, um heimatliche oder romantische Gefühle hervorzurufen und Bindungen zu schaffen, aber auch um Grenzen zu ziehen.

„zur Stelle“ spiegelt Momente, die sich zwischen einer aktualisierten Faszination und dem Wunsch nach Unterbrechung des visuellen Regimes bewegen.



Einlagerungsservice, August 2017

Einblenden.
Fotografien von Werbung und Waren, seit 2004

Diese Sammlung von Außenwerbung, die einige Jahre lang auf meinen täglichen Wegen nebenbei entstand, zeigt diskriminierende Darstellungen von Frauen. Ich habe mit der Serie begonnen, um Bilder, die Zugriff auf ein weiblich sozialisiertes Ich behaupten, zu bearbeiten, statt sie zu ignorieren. Durch die Dokumentation nahm ich im Lauf der Zeit den Zusammenhang von Männer- und Frauenbildern, sowie rassistische und andere Stereotype in den Blick.

Wenn in einer Ausstellung 150 und mehr Motive nebeneinander installiert werden, erzeugt diese Arbeit zunächst eine Zumutung für die Betrachtenden. Im Anschluss löst sie häufig Gespräche aus: über Bilder, die verschiedenen Betrachter_innen zuviel sind und zu nahe gehen, über Attraktivität und die Grenze zwischen Sexyness und Sexismus, über “guten Geschmack” und symbolische Gewalt.

“Einblenden” belegt, dass aktuelle Werbung immer noch auf Sexismus und Rassismus basiert, auch wenn sie vorgibt, an emanzipatorischen Debatten geschult zu sein, wenn sie sich z.B. zur Fürsprecherin sexuell befreiter Frauen aufschwingt.




Aufwärmübungen des japanischen Teams– Algarve-Cup 2012

Freiraum.
Fotoserie, Training, 2002, 2011–18

Freiraum sucht nach einer alternativen Bildsprache im Genre der Sportfotografie. Wiederholt werden Spielfeldszenen und Raumverteilungen in kleineren Stadien dargestellt, in denen Frauenfußball oft stattfindet. Hier sind auch Motive zu sehen, die das Aufwärmen im Vorfeld oder eine Auszeit im Spiel dokumentieren. Die Langzeitserie entsteht meist auf Reisen und ist die Folge einer zweifachen Annäherung als Fan und Hobbyspielerin.

 



Sinne beisammenhaben, 2007

Kunst und Kuchen.
Lebensmittelfotografie in der Alexanderstraße, Stuttgart 2007

Unter dem Begriff Lebensmittel wurde eine Reihe von Fotografien, die spontan im Alltag entstanden waren, versammelt. Entsprechend der Idee, die Bedeutung von Lebensmitteln auszudehnen, wurden auch Räume, Pflanzen, Dingen, Körperansichten und Begegnungen darunter gefasst.

Motive, die also im engeren und weiteren Sinne Lebensmittel zeigten, wurden zu Tableaus zusammengestellt und in Wohnräumen in Stuttgart präsentiert. Zur Eröffnung gab es ein Kuchenbuffet.



A Tree/Body/Trouble of One´s Own, Installation im Kunstraum Kreuzberg, 2007

A Tree, Body, Trouble of One´s Own.
Rauminstallation, Brüssel/Berlin 2006/7


In der Arbeit A Tree/Body/Trouble of One´s Own geht es um das Behagen oder Unbehagen mit den eigenen Geschlechtern. Die Stimmen geben Passagen aus Interviews wieder, in denen Informatiker_innen, Techniker_innen, Künstler_innen und Wissenschaftler_innen über Logik, Geschlecht und Wahrheitsproduktion sprechen. Die Exklusivität von bipolaren Systemen, die sowohl Geschlecht als
auch Logik betreffen, wird hier anhand von Ton- und Bildmaterialien dargestellt und untersucht.

Die Installation besetzte in Brüssel einen von vier Säulen begrenzten Ort. Dort, wo die Säulen in das Deckengewölbe überging, wurden sexualwissenschaftliche Diagramme projiziert, sodass die Säulen, derart mit "Kronen" versehen, zu Strukturbäumen der Geschlechterforschung werden. In der Mitte dieser Baumschule der Geschlechter stand ein "echter" Baum, an dessen Ästen kleine Lautsprecher befestigt waren. Man_frau konnte sich auf der Bank am Baum niederlassen, um den Stimmen, die aus den Lautsprechern tönten, zuzuhören.



Der Schreibtisch von A. Possaner, 2002

Das Leben als Betriebssystem.
Eine Echtweltrecherche, Graz 2002/3

Ich befragte und portraitierte Computerarbeiter*innen aus verschiedenen professionellen Bereichen (3D-Visualisierung, Architektur, Gamedesign, Informatik, Musik, Statistik...), um Wirklichkeitsbegriffe und deren Verschiebungen zu beleuchten.

Aus dem gesammelten Tonmaterial entstand ein Hörspiel in 3 Teilen zu den Themen:
1) enter, shift oder mit dem Rechner reden,
2) copy-paste, undo, control oder der Einfluß der Computerbefehle auf das Denken,
3) space, escape oder Lebensbedingungen im Cyberspace.



Picnic (Silver Grey), Milky Way (Mid Grey), Parasol (Pale Lilac), Serenade (Off White), 1999

Romanze.
Reprofotografie, Chicago 1999

Einige Zeit nach meinem Fotografiediplom und anschließenden Erfahrungen in der Erwachsenenbildung wollte ich mich wieder verstärkt mit Kunst beschäftigen. Ich bewarb mich an der School of the Art Institute Chicago und wurde im Foto-Department angenommen.

Dieses Studium war extrem reglementiert. So mussten etwa diverse Erlaubnisscheine und Öffnungszeiten berücksichtigt werden. Ich fotografierte nur wenig, lernte dafür HTML schreiben und Cyberfeminismus kennen. Was sagte mir dieses neue Umfeld? Mir fielen die erotischen Andeutungen auf Farbmusterkarten auf. Ich reproduzierte die Farbmuster und montierte sie zu einer Romanze.



Nana, das Kindermädchen (Videostill), 1997

Peter Pan.
Videoessay, Hamburg 1997


Der Film ist aus zwei Handlungssträngen zusammengesetzt: der frei umgesetzten Geschichte von Peter Pan, the boy who wouldn´t grow up und Interviews mit Kindern und Jugendlichen. Leitmotiv ist der Schatten.

Die Geschichte von Peter Pan wird in Bildern erzählt. Dafür wurden Zeichnungen durch farbiges Licht, Pappfiguren und Schattenspiele animiert. Ein flüchtiger Schatten. Damit beginnt die Geschichte von Peter, dem ewigen Jungen und Wendy Darling, die schließlich doch erwachsen wird.
Peters Schatten bleibt auf der Flucht aus dem Kinderzimmer der Familie Darling zurück. Wendys Mutter findet ihn, rollt ihn zusammen und verstaut ihn in der Schublade. Der Schatten verschwindet im Dunkeln.

In diesem Video geht es um Kindheit und deren Ende.
Fünf junge Menschen im Alter von 10 bis 28 wurden interviewt zu dem Wunsch, Kind zu bleiben und der Beobachtung, wann das Erwachsensein beginnt. Ist es ein schleichender Übergang oder gibt es Schlüsselmomente?

Peter kehrt zurück, um sich seinen Schatten von Wendy wieder annähen zu lassen. Peter, Wendy und ihre Brüder fliegen aus dem Fenster in die Nacht davon.

Fliegen können nur Kinder, die an etwas Schönes denken.



Eine Minute, 1991
One Minute Portraits.
Fotografische Aktion im Aufzug zur Oberstadt, Marburg 1991

Diese Serie entstand im Personenaufzug Marburg, der von der Unter- in die Oberstadt knapp eine Minute brauchte. Er wurde von den unterschiedlichsten Menschen benutzt.

Ich stellte eine Regel auf: In der Minute Fahrtzeit bestand meine Aufgabe darin, die jeweiligen Mitfahrer_innen anzusprechen und für ein Portrait zu gewinnen, außerdem ein Foto zu machen, bevor die Aufzugtür sich wieder öffnete. An den Ergebnissen sieht man verschiedene Reaktionen, mehr oder weniger direkte Blicke in die Kamera, und manchmal auch die typische Aufzugsituation, in der alle Personen aneinander vorbeischauen.