Verstimmte Held_innen

Mixed Media Projekt und öffentliche Aktion zum Präventionstag


Durchführung:
Nanna Lüth (Edith-Ruß-Haus für Medienkunst) in Kooperation mit Sabine Müller-Jentsch (Comeniusschule, Förderschwerpunkt Lernen) und Solveig Kaiser, Oliver Klaassen, Marthe Oeß (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)

 

 

Anlass des Projektes, welches von März bis Juni 2010 als eine Kooperation mit der Comeniusschule (Förderschwerpunkt Lernen) und dem Institut für materielle Kultur der Carl von Ossietzky Universität realisiert wurde, war der (Gewalt)Präventionstag in Oldenburg.

 

Die Verknüpfung von populären Helden mit Männlichkeit, Stärke und Handlungsmacht machte sie zur Zielscheibe dieses künstlerisch-edukativen Projektes. In dem Medienprojekt "Verstimmte Held_innen" sollte die Unantastbarkeit eben solcher heroischer, in einigen Fällen auch gewalttätiger Figuren durch eine 7. Klasse der Comeniusschule Oldenburg, in einem längeren crossmedialen Prozess  in Frage gestellt werden.

 

Zunächst sammelten die Schüler_innen Informationen über Helden/Heldinnen und gestalteten Held_innensteckbriefe. Nach dieser ersten Annäherung baten wir sie, sich je eine Held_innenpose auszudenken, in der sie fotografiert werden wollten. Diesen Held_innen wurden mittels Sprechblasen Sätze in den Mund gelegt. Einmal solche, die der Rolle entsprachen, im nächsten Schritt dann unpassende Aussprüche, etwas, das die Figuren "niemals so sagen würden".

 

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Fotografie: Oliver Klaasen/Jasmin S.

 

Nach dieser Verkörperung individueller "Held_innen" ging es ans Verstimmen, das heißt ans Nachsynchronisieren schon bestehender Held_innen in Filmen.

 

Die Schüler und Schülerinnen sichteten verschiedene Filmausschnitte ohne Tonspur und wählten ihre Lieblingsclips aus. So kamen Kleingruppen zustande, die den Lippenbewegungen entsprechende neue Dialoge schrieben, in denen sie die verletzliche, alberne oder streitsüchtige Seite von Superman, Pippi Langstrumpf oder Jimmy Dean zum Vorschein brachten. Beim Entwickeln der Story schlichen sich familiäre Erfahrungen oder Themen wie Schwangerschaft oder Eifersucht in die Szenen ein, wie beispielsweise bei der Neuvertonung eines Ausschnitts aus "Denn sie wissen nicht, was Sie tun":

 


Mit der Entscheidung, wer welcher Figur die Stimme leihen würde, verhandelten die Kleingruppen die Beliebtheit der Figuren, aber auch mögliche Abweichungen von dem Muster "Mädchen dürfen nur Frauen- und Jungen dürfen nur Männerrollen sprechen." Schließlich nahmen sie die Texte mit verteilten Rollen auf die Audiospur auf. Es fiel den Schüler_innen nicht leicht, lippensynchron zu sprechen. Das Zusammenbringen von Film- und Synchronspur führte teilweise zu seltsamen Verlangsamungen oder ungewohnten Betonungen.

 

 

Beschreibung: Macintosh HD:Users:mec:Desktop:giessen_vortrag_okt11_txt12:fotosgiessen:auswahl_bearb_ok:abb6_verstHeld_innen_BHF.jpg

Fotografie: Nanna Lüth

 

Die eigenwilligen Synchronisationen wurden zum 16. Deutschen (Gewalt-) Präventionstag am Bahnhof neben den Infoständen der Polizei präsentiert. Gäste des Präventionstages, Polizist_innen und Reisende konnten die Projektergebnisse der Schulklasse ansehen und wurden von den Schüler_innen angesprochen, um an den beiden Laptopstationen spontan eigene Dialoge für die Filmausschnitte zu entwickeln und an Laptops aufzunehmen.